Der Dritte Rundgang


Il pozzo dell'Infinito

Der Dritte Rundgang zweigt etwa 100 Meter nach dem Höhleneingang, d.h. hinter dem kleinen Siphonsee ab. Der Anfang besteht aus zwei parallel verlaufenden Gängen, die reich an Erosionsformen sind. Sie gehen auf einen kleinen Raum, in dem eine mächtige Kaskade von rostroter Farbe über einem weiten Schacht hängt, von dessen Rand aus man einen phantastischen Blick auf den "Hauptgang" hat, der sich 15 Meter darunter befindet. Nachdem man eine kleine Verengung überwunden hat, betritt man einen zweiten, wesentlich größeren Raum, der über und über mit glitzernden Stalaktiten, Stalagmiten und Sinterkaskaden verziert ist.

Danach ändert die Höhle ganz plötzlich ihr Aussehen: nachdem man einige Stufen erklommen hat, befindet man sich auf dem Grund eines riesigen, senkrecht aufsteigenden Schachts, wo die Tropfsteine fast gänzlich verschwinden und die Sicht auf eine schaurige und faszinierende Umgebung freigeben. Der Blick schweift an den kahlen Wänden des Abgrunds entlang, die hier und da von dunklen Eingängen der Seitenverzweigungen unterbrochen werden. Der Führungsweg entfernt sich nun für kurze Zeit vom Schacht und führt über eine Reihe von kurzen, aufeinanderfolgenden Treppen ins Innere eines vertikalen Felsspalts, der mit zierlichen Tropfsteinen ausgeschmückt ist. Danach verläuft der Führungsweg horizontal und stößt wieder auf den Abgrund, der mittels einer kleinen Brücke überwunden wird, die 24 Meter über dem Boden schwebt. Der Anblick von dort ist höchst beeindruckend; besonders schön sind die Tropfen anzusehen, die im Gegenlicht in die Tiefe fallen und an einen Regen aus glitzernden Diamanten erinnern. Es geht jetzt noch weiter in die Höhe, immer an steilen Wänden entlang, bis man an einen Punkt gelangt, wo der Schacht, der hier sehr weit ist, von einer natürlichen Brücke zweigeteilt wird, die von der erodierenden Tätigkeit ehemaliger Wasserfälle isoliert wurde. Diese Wasserfälle nehmen wieder voll ihre wild tosende Tätigkeit auf, wenn es zu starken und lang andauernden Regenfällen kommt.

Man verläßt dann diesen Teil wieder und steigt hinab zu einer kleinen, ebenen Verzweigung, die reich an Farben ist und eine Gesteinsstruktur von ehemaligem Versturzmaterial erkennen läßt. Es handelt sich um einen kleinen Seitenraum, der mit wenigen Schritten abzugrenzen ist. Kurz darauf stößt man wieder auf den Abgrund, den man in 30 Metern Höhe über zwei kleine Brücken überwindet, welche zu einer großen Halle in der gegenüberliegenden Wand führen. Von hier aus geht es über einige Stufen wieder zum Schacht, von dessen Rand aus man den Grund aus einer Höhe von über 40 Metern sehen kann.

Nach wenigen Schritten betritt man die immense "Halle des Unendlichen" ("Salone dell'Infinito"), deren Decke vollkommen von einem Mäander bedeckt ist, der durch den Rückgang eines alten Wasserfalls hervorgerufen wurde, welcher früher aus einer Höhe von 70 Metern in die Tiefe stürzte.

Dahinter endet der Höhlenbesuch in einer Schlucht, in der nach intensiven Regenfällen ein gewaltiger Wasserfall zu sehen ist. Nach dem Abstieg durch den Schacht durchquert man den "Saal der Wunderdinge" und kommt zum "Hauptgang" über einen herrlichen Flur, der durch einen Wald schneeweißer Stalaktiten und Stalagmiten nach unten führt.